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Geändert am: 31. Mai 2017

Turnen füllt Urnen? - Falsch!

Written by  menscore-body, Published in Allgemeines
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Turnen füllt Urnen? - Falsch! © JWS - Fotolia.com

In unserem Leben sehen wir zwölf Jahre fern, verschlafen buchstäblich rund 24 Jahre, verbringen ganze neun Mo­nate auf der Toilette und sitzen etwa 30 Jahre. Da kann nur Sport noch vor einem frühen Tod schützen - aber nur, wenn man nicht übertreibt. 

 

Etwa 60 Prozent der erwachsenen deutschen Männer treiben keinen Sport. Kenneth Cooper, Arzt und Vater des Ausdauertrainings "Aerobics", das er bei der US-Airforce entwickelte, schrieb einmal: "...ein Gramm Prävention ist mehr wert als ein Pfund Therapie". Und damit meint er die Vorbeugung von Krankheiten durch Sport. Laut einer Studie der Kölner Sporthochschule ist Gesundheit auch bei uns der Haupt­grund für freiwillige schweißtreibende Aktivitä­ten: Es waren 97 Prozent der sportlich aktiven Befragten, die durch Sport gesund werden, sein oder bleiben wollten.

 

Dreieinhalb Jahre länger leben

1986 ermittelte der Engländer Jeremy Morris bei 17 000 Harvard-Absolventen eine höhere Lebenser­wartung durch Sport. Eine epidemiologische Untersuchung an 60jährigen Sporttreibenden und 60jährigen Nicht-Sporttreibenden über zehn Jahre ergab, dass die sportlich Aktiven eine um dreieinhalb Jahre längere Lebenserwartung hatten, als die Testper­sonen aus der Sportmuffel-Gruppe.

 

Denn durch regelmäßig mäßigen Sport

  • sinkt auf Dauer die Herz(schlag)frequenz; Die Pausen zwischen den Schlägen wer­den länger. Und gerade in den Pausen ernährt sich das Herz selbst mit sauerstofffrei­chem Blut. Das Infarktrisiko sinkt. Bewegungsmangel ist für rund 50 Prozent aller Herzinfarkte weltweit (und in Deutschland) verantwortlich.
  • steigt das "gute" HDL-Cholesterin, das "böse" LDL-Cholesterin sinkt - und damit das Risiko für Arterienverkalkung und folglich für Bluthochdruck, ein weiteres Infark­trisiko, und für Schlaganfall.
  • wird Blut fließfähiger; Das Herz muss nun nicht mühsam die zähe Masse pumpen, kann Energie sparen. Außerdem sinkt damit ebenfalls das Risiko für Blutgerinnsel und entsprechend für Herzinfarkt und Schlaganfall
  • sinkt der Blutdruck geringfügig (direkt, d.h. nicht nur durch Arteriosklerose­schutz). Für einen Daueref­fekt ist körperliches Training besser als eine Dauermedikation mit Betablockern, den bekanntesten bludrucksenkenden Medikamenten
  • wird das Herz durch Abbau von Übergewicht entlastet
  • kann Alters-Diabetes (Typ II) beherrscht werden, da die Insulinrezepto­ren für In­sulin wieder empfindsamer werden
  • können Sie Stress besser abbauen und verkraften, da die Stresshormone Cortisol, Ad­renalin und Noradrenalin langsamer und in geringerer Konzentration ausge­schüttet werden - nebenbei ein weiterer Schutz für Ihr Herz!
  • nimmt die Knochendichte zu, das Osteoporoserisiko ab
  • werden Infektionen seltener. Mehrere Studien belegen, dass durch mode­rates Trai­ning die Immunkraft zunimmt.

 

Bei Erwachsenen kann moderates Ausdauertraining wie schnelles Gehen, Treppen­steigen, Wandern, Radfahren, Schwimmen und Skilanglauf Herz-Kreislauferkran­kungen, Stoffwechselstörungen und Krebs vorbeugen. Krafttraining dagegen den Halte- und Bewegungsapparat (Sehnen, Bänder, Gelenke, Muskeln und Knochen) stärken.


 

So profitieren Sie gesundheitlich am meisten vom Training:

  • Sind Sie 35 oder älter, lassen Sie sich erst sportärztlich untersuchen, bevor Sie mit dem Training beginnen. Denn eventuell bestehende Erkrankungen, die Sie noch nicht bemerkt haben, könnten sich durch Sport verschlimmern. Das gilt insbeson­dere für Raucher.
  • Bei Erkältungen, und sei es nur ein banaler Schnupfen, sollten Sie keinen Sport treiben. Denn das könnten Ihre Bauchmuskeln Ihnen übel nehmen und sich auflö­sen.
  • Regelmäßiger, aber mäßig getriebener Ausdauersport (3-4 mal wöchentlich ca. 30 bis 40 Minuten Joggen oder Schwimmen) gilt als ausreichender Schutz gegen Herzin­farkt und Schlaganfall und kann das Leben verlängern
  • Eine wöchentliche Laufstrecke von insgesamt ca. 20 km genügt als Schutz gegen zu hohe Blut­fette.
  • Im Übermaß dagegen kehren sich einige Wirkungen von Sport um: Der Blutdruck steigt leicht an, Stresshormone überfluten den Körper, und die Anfälligkeit von Fitness-Fanatikern für Infektionen nimmt auffällig zu.
  • Auch Kenneth Cooper ist vorsichtiger geworden. Früher hatte der Mediziner nichts dagegen, wenn ein Gesunder zehn Mal pro Jahr Marathon laufen wollte. Heute dagegen warnt er vor übermäßigem Training. Seine Worte: "Man kann Gutes auch übertreiben. Der zusätzliche Nutzen ist gering, die Verletzungsgefahr wächst jedoch enorm. Um etwas für seine Gesundheit zu tun, reicht ein wesentlich geringerer Auf­wand."

 

Experten raten, nicht so lange Gewichte zu heben, bis die Nähte Ihres T-Shirts platzen oder Hochleistungssport zu treiben, sondern Bewegung in Ihren Alltag zu bringen. Sport alle zwei Tage bringt mehr, als drei Tage hintereinan­der zu rac­kern und dann vier Ruhetage einzulegen.

Die größte Wirkung für Ihre Gesundheit erzielen Sie, wenn Sie vom absoluten "Sportmuffeldasein" auf eine mäßige sportliche Aktivität umsteigen, mit der Sie 1500-2000 Kalorien (kcal) pro Woche zusätzlich verbrennen. Untersuchungen aus England und den USA zeigen, dass dieser Aufwand die Lebens­erwar­tung um einige Jahre steigern und die Gefahr von Herz-Kreislauf-Er­krankun­gen reduzieren kann.

Um 2000 Kalorien zu verbrennen, müssen Sie ca. 20 Kilo­meter in der Woche laufen (schnelles Gehen), jeden zweiten Tag 45 Minuten inklu­sive Aufwärmen und Abkühlen. Oder spielen Sie drei Stunden die Woche Tennis.

Lassen Sie den Fahrstuhl und die Rolltreppe den Alten und Gebrechli­chen. Denn jede Stufe, die Sie steigen, verlängert Ihr Leben um vier Sekunden. Füh­ren Sie Ihren Hund öfter selbst Gassi. Bringen Sie den Müll raus, parken Sie Ihren Wagen ruhig etwas weiter weg. Stehen Sie beim Telefonie­ren auf und legen Sie kurze Strecken zu Fuß, längere mit dem Fahrrad zurück. Und wenn Sie darüber hinaus auch mal schwimmen und/oder joggen - so dass Sie pro Wo­che auf etwa 30 bis 45 Minuten kör­perliches Training kommen -, bewegen Sie sich im medizinisch optimalen Maß.

 

Welche Sportart Sie wählen, ist fast nebensächlich. Wichtig ist nur, dass Sie daran Spaß haben. Denn wenn der Sport Ihnen zur Pflicht wird, brechen Sie ab, und es fällt Ihnen für das nächste Mal noch schwerer, sich aufzuraffen.

 

So motivieren Sie sich, dabei zu bleiben:

  • US-amerikanische Forscher fanden in einer Studie heraus, dass Personen, die um 40 Dollar gewettet hatten, dass sie ihr Pensum sechs Monate lang schaffen würden, wa­ren mit 97 Prozent erfolgreich, während diejeni­gen, die nicht gewettet hatten, nur knapp 20 Prozent der Zeit dabei­geblieben waren.
  • Immer sachte! Regelmäßigkeit ist beim Sport viel wichtiger als der Ver­such, aus jeder Übung das Maximale herauszuholen.
  • Variieren Sie Ihr Programm, bevor es Ihnen zu langweilig wird. Jog­gen Sie heute, fahren Sie morgen Rad!