Atemwege
Geändert am: 06. März 2014

Nichtraucher atmen länger

Written by  menscore-body, Published in Atemwege
Aus der ärztlichen Redaktion
 
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Selten sind so tödliche Erkrankungen so einfach zu vermeiden wie Lungenkrebs und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), zwei der weltweit häufigsten Todesursachen, und doch schützen sich nur wenige davor.

 

 

Während kaum ein medizinischer Laie mit Letzterem etwas anfangen kann, ist Lungenkrebs ein alter Bekannter, der in Deutschland immer noch jährlich 40.000 Todesopfer allein unter den Männern fordert – 90 Prozent von ihnen waren Raucher. Im Vergleich: es gibt unter 4.000 Verkehrstote pro Jahr.

Auch für COPD (engl. chronic obstructive pulmonary disease) ist Rauchen die wichtigste Ursache. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden ist ihre Tücke. COPD entwickelt sich so schleichend, dass die Erkrankung lange Zeit unbemerkt bleibt. Auch Lungenkrebs macht sich erst in späteren Stadien bemerkbar. Die Symptome – Husten, gelegentliche Atemnot und Druck auf der Brust – sind für viele Raucher zu vertraut, um echte Warnsignale zu sein.

Deshalb wird Lungenkrebs häufig zufällig entdeckt, oft auf einem aus anderen Gründen angefertigten Röntgenbild – und fast immer zu spät. Doch das muss nicht so sein.

 

Angriff auf die Lunge: Krebspatienten bleibt kaum Zeit

Grundsätzlich wird Lungenkrebs in zwei Gruppen eingeteilt. Die kleinzellige Variante bildet schnell Metastasen in anderen Organen und kann nur selten operiert werden. Sie wird mit Chemo- und Strahlentherapie angegangen. Beim nichtkleinzelligen Typ gibt es in 20 Prozent der Fälle lediglich einen Krebsherd, der operiert werden kann, bevor mit der Therapie begonnen wird. "In manchen Fällen ist es heute bereits möglich, eine individualisierte medikamentöse Therapie nach genauer Prüfung der genetischen Charakteristika des Tumors einzuleiten", sagt Internist und Allergologe Dr. Peter Kardos von der Lungenpraxis am Maingau in Frankfurt am Main, und Vorstandsmitglied der Deutschen Atemwegsliga. In vielen Fällen erreichen die Ärzte allerdings nicht viel mehr, als den raschen Verlauf der Krankheit zu bremsen und dem Betroffenen die Schmerzen zu nehmen, damit er bei klarem Kopf die letzten Dinge regeln kann.

Denn selbst von den wenigen, die operiert werden können, erleben lediglich 30 Prozent die nächsten 5 Jahre. Allen anderen bleiben im Schnitt 6 bis 13 Monate.

Das könnte sich bald ändern. "Bei Risikopatienten (starke Raucher, 55-74 Jahre) , selbst wenn sie keine Symptome haben, bringt eine Screeninguntersuchung mit niedrigdosis Computertomographie deutliche Überlebensvorteile durch die frühe Erkennung von Lungentumoren", so Lungenexperte Kardos.

 


 

Raucherhusten: COPD kommt, Muskelmasse geht

Laut Weltgesundheitsorganisation klettert COPD von Platz 6 auf Platz 3 der weltweit häufigsten Todesursachen.

Wer nicht raucht, senkt auch drastisch sein Risiko für COPD. Das Kürzel steht für Chronic Obstructive Pulmonary Disease, also chronische, verengende Lungenerkrankung. „Zu 80 Prozent ist COPD eine direkte Folge des Rauchens“, sagt Dr. Kardos. Einerseits zerstört der Rauch die Lungenbläschen und verschlechtert dadurch den Sauerstofftransport ins Blut (Emphysem).

Gleichzeitig killt er aber auch die Flimmerhärchen der Atemwegsschleimhaut und damit die ansonsten unbemerkt ablaufende Selbstreinigung der Lunge. Die Folge: Raucherhusten. Weil es schwierig ist, den keimbeladenen Schleim ganz abzuhusten, entsteht langfristig oft eine chronische Entzündung der Bronchien, die Bronchialschleimhaut schwillt an, und der Atemwiderstand steigt. Atemnot ist die Folge. Erst tritt sie nur bei körperlicher Anstrengung auf, doch bald begleitet sie Betroffene auf Schritt und Tritt. Nach neuesten Erkenntnissen lässt COPD auch Knochen- und Muskelmasse schwinden, besonders die für Ausdauer zuständigen Fasern.

Außerdem erhöht die Erkrankung das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben: Mit jedem Zehntel Liter weniger Lungenfunktion wächst es um bis zu 30 Prozent.

 

Nichtraucher atmen länger

Die Diagnose von COPD erfolgt anhand der Symptomatik und wird durch die Spirometrie bestätigt. Man muss dabei mit und ohne ein bronchienerweiterndes Medikament in ein Gerät atmen, das Lungenvolumen und schnelle Ausatmung misst. Je früher COPD erkannt wird, desto besser kann einer Verschlechterung vorgebeugt werden. Auch in fortgeschrittenen Fällen können Medikamente die Luftnot lindern. Doch kein Wirkstoff kann den Patienten verlorene Lungenkapazität zurückgeben. Das verführt zu der Haltung: „Wenn es keine Heilung gibt, kann ich ja weiter rauchen.“ Kardos warnt: "Qualmen Sie weiter, beschleunigt das die Zerstörung der Lunge dramatisch – bis Ihnen die Luft ganz ausgeht. Sie werden am Ende nicht einmal mehr kurze Strecken in der Wohnung zurücklegen können.“

 

Lungengesundheit: Nieder mit den Kippen!

Aus gutem Grund wird Rauchen gesetzlich immer weiter eingeschränkt: Außer der Tabakindustrie profitiert niemand.

Zigaretten erhöhen das Risiko für alle Lungen-Erkrankungen. Als erfolgversprechende Entwöhnungsmethode gilt die Nikotinersatztherapie mit Kaugummis, Pflastern oder Nasenspray (für starke Raucher) – vor allem, wenn sie durch einen Arzt oder einen Psychotherapeuten unterstützt wird. Auch die Wirkstoffe Bupropion oder Vareniclin erleichtern das Aufhören, ganz besonders in Kombination mit Nikotinersatzmitteln.