Atemwege
Geändert am: 06. März 2014

Grippe und ihre Vorläufer - Erkältungsviren sind tückisch

Written by  menscore-body, Published in Atemwege
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Grippe und ihre Vorläufer - Erkältungsviren sind tückisch © RioPatuca Images - Fotolia.com

Die Lungenentzündung ist eine der weltweit häufigsten Todesursachen, und aus einem einfachen Schnupfen kann mit Pech eine dicke Bronchitis werden. Gut, wenn Sie das zu verhindern wissen. 

 

 

Die Lunge ist nicht schutzlos, ihr sind viele effektive Abwehreinrichtungen vorgeschaltet. So wird die eingeatmete Luft in der Nase durch Härchen von größeren Staubpartikeln gereinigt und dort zudem erwärmt und angefeuchtet, was sich in den Nebenhöhlen fortsetzt. Wenn größere Fremdkörper in den Hals gelangen, lösen sie den Hustenreflex aus. Kleinere Partikel aber werden von der Schleimschicht der Bronchien abgefangen und durch wellenförmige Bewegungen der Flimmerhärchen in den Rachen befördert, wo sie schließlich verschluckt werden. Darüber hinaus sind Schleimhäute der Atemwege gut mit Immunzellen bestückt, die eindringende Krankheitskeime unschädlich machen. Trotzdem setzt die meisten Menschen im Durchschnitt einmal pro Jahr eine Erkältung außer Gefecht.

Wahrscheinlich haben Sie sich auch schon gefragt, warum man dagegen eigentlich nicht immun wird. Eigentlich wird man es ja, aber Erkältungsviren sind so vielfältig und ihre Wandlungsfähigkeit ist derart groß, dass man dagegen weder geimpft werden noch natürlicherweise immun sein kann. Irgendwann kommen welche vorbei, die der Körper noch nicht kennt. Ist das Immunsystem dann zufällig nicht auf der Höhe, haben Sie den Salat: Niesen, Husten und Halsweh.

 

Vom Husten zur Superinfektion

Mit Hilfe vorbeugender Mittel können Sie zwar dafür sorgen, dass es Sie seltener erwischt. Wenn die Erkältung aber unausweichlich ist, müssen Sie da durch. Ärzte wissen: Mit Medikamenten dauert die Erkältung eine Woche, ohne sieben Tage. Die effektivste Maßnahme, schnell wieder fit zu werden – Ruhe –, gönnt man sich meistens nicht. Zwar kann man die Viren selbst nicht von außen bekämpfen, aber immerhin einige Symptome. Nasentropfen lassen die Schleimhäute abschwellen, erleichtern so das Atmen. Schleimlöser helfen beim Abhusten von virenbeladenem Bronchialsekret. Auch Hausmittel wie Inhalationen können helfen. „Das Wichtigste aber ist, viel zu trinken“, sagt Dr. Winfried Hohenhorst, Oberarzt an der HNO-Klinik des Alfred-Krupp-Krankenhauses in Essen. „Nur dann kann der Körper den Schleim flüssiger machen.“ Indem man Symptome lindert, fühlt man sich nicht nur besser, man wirkt auch Verschlimmerungen entgegen.

Richtig fies werden Erkältungen nämlich, wenn sich auf einer durch die Viren gereizten Schleimhaut Bakterien festsetzen und eine Superinfektion auslösen. Diese verrät sich durch dickflüssige, gelbgrüne Nasen- und Hustensekrete. Wenn die Nase dicht ist, kann das Sekret aus den Nebenhöhlen häufig nicht ausreichend abfließen und sammelt sich an. Weil es dort schön feucht und warm ist, können sich Bakterien prima vermehren. Ob die Nebenhöhlen vereitert sind, merken Sie daran, dass der Kopf beim Vorbeugen schmerzt. Sehr anfällig sind die Kieferhöhlen, weil ihre Abflussöffnung zur Nase nicht am tiefsten Punkt liegt.

Wenn man oft oder chronisch unter Nebenhöhlenentzündungen leidet, kann eine Operation helfen. Dabei werden zur Wiederherstellung von genügend Belüftung die Ausführgänge der Nebenhöhlen erweitert. Aber auch die Begradigung einer schiefen Nasenscheidewand kann dem Dauerleiden ein Ende setzen.

 

Nasenspray geht nach hinten los

Neigt die Nase selbst zu dauernder Verstopfung, steckt zumeist eine Allergie dahinter – oder der Missbrauch eines abschwellend wirkenden Nasensprays. „Diese sollten wirklich nur sehr sparsam angewendet werden, denn sie regen die Vermehrung des schwellfähigen Gewebes in der Nase an“, sagt HNO-Arzt Hohenhorst. Faustregel: mehr als drei Mal täglich innerhalb von drei Tagen ist zu viel. Wer es nur vorm Schlafengehen anwendet, darf acht Tage hintereinander sprühen.

Sowohl Allergikern als auch Nasenspray-Junkies kann durch die bipolare Radiofrequenztherapie geholfen werden, bei der überschüssiges Gewebe unter der Schleimhaut durch hochfrequenten Wechselstrom verödet wird. „Anders als bei vielen Verfahren wird die Schleimhaut dabei nicht verletzt, ihre Funktion bleibt voll erhalten“, sagt der Mediziner. Die Behandlung wird unter Betäubung ambulant durchgeführt und dauert nur wenige Minuten. Natürlich kann sie Allergiker nicht von ihrer Überempfindlichkeit befreien, aber sie reduziert die Symptome.

 


 

 

Wichtige Waffe Antibiotika

Auch die Mandeln können vereitern. Das verursacht nicht nur Schluckbeschwerden und Halsschmerzen, sondern in vielen Fällen auch Fieber. Sind Kehlkopf oder Stimmbänder betroffen, wird man außerdem heiser. Weil die meisten Mandelentzündungen durch gefährliche Streptokokken verursacht werden, sollten sie unbedingt mit Antibiotika behandelt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Bakterien Gelenke, Herz oder Nieren angreifen. Sind die Mandeln oft entzündet, kann es sinnvoll sein, sie entfernen zu lassen.

Die Bronchien können durch Bakterien aus den oberen Atemwegen oder direkt infiziert werden. „Das ist oft eine Folge der behinderten Nasenatmung“, sagt Hohenhorst. „Durch den Mund zu atmen, trocknet die Bronchialschleimhaut aus, macht sie sehr anfällig.“ Eine Bronchitis wird vielfach von Schnupfen, Fieber oder Heiserkeit begleitet. Nach schmerzhaft-trockenem Husten bildet sich viel zäher Schleim, der nur schwer abzuhusten ist. Wird eine Bronchitis nicht richtig auskuriert, kann sie chronisch werden.

Streptokokken können auch zu einer Lungenentzündung führen, weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Die bakterielle Pneumonie beginnt in der Regel mit Schüttelfrost, Fieber und Atemnot. Wie bei der Bronchitis ist der Husten erst trocken, dann folgt viel farbiger Schleim. Sind dagegen Viren die Ursache, beginnt die Krankheit meist langsamer und ohne Schüttelfrost. Der Husten ist dann trocken, Schleim wird kaum abgehustet. Eine Lungenentzündung wird fast immer mit Antibiotika behandelt, auch wenn Viren die Ursache sind. Denn die Bakterien, die Antibiotika erforderlich machen, kommen fast immer irgendwann dazu – und dann kann’s schnell zu spät sein.

 

Tipps für die Atemwege: Geben Sie Grippe keine Chance

Nicht zu rauchen ist natürlich der wichtigste Schutz für die Atemwege. Aber Sie können noch einiges mehr tun.

  • Durch kalte Güsse das Immunsystem stärken – die Ansicht des Priesters und Begründers der Kneipp-Medizin wird durch Studien bestätigt. Vermutlich beruht auch die Wirkung des Saunierens auf diesem Effekt. Ein bis zwei Güsse pro Woche genügen, allerdings muss man einige Wochen dranbleiben, ehe sich ein Schutz einstellt. Wichtig: Vor den Güssen muss Ihnen warm sein. Waren Sie vorher in der Sauna, sollte das kein Problem sein.
  • Wer schon mal eine echte Grippe hatte, wird sich gerne impfen lassen - und einen simplen Schnupfen nie wieder als Grippe bezeichnen. Impfungen gegen Grippe und Lungenentzündung sind laut Impfkommission am Robert-Koch-Institut für alle Menschen mit chronischen Krankheiten, vor allem der Lunge, ratsam. Und: „Obwohl die Grippeimpfung nur gegen die Grippeviren, nicht jedoch gegen die einfache Erkältung schützt, sollte man sich jedes Jahr gegen die aktuell zirkulierenden Grippeviren impfen lassen; hierdurch schützt man sich selbst und auch seine Mitmenschen gegen die Grippe. Besonders wichtig ist die Grippeimpfung für ältere Menschen, und solche, die an chronischen Erkrankungen, z.B. Diabetes, Herz- oder Nierenschwäche, leiden“, empfiehlt auch sagt Internist und Allergologe Dr. Peter Kardos von der Lungenpraxis am Maingau in Frankfurt am Main, und Vorstandsmitglied der Deutschen Atemwegsliga.
  • Und: Händewaschen schützt. Man wird nämlich weniger durch Anhusten infiziert als durch die Übertragung der Erreger von Türklinken auf die Hände, mit denen man sich bis zu 60-mal täglich an Mund und Nase herumfummelt.