Bewegungsapparat
Geändert am: 06. März 2014

Chronisches Gelenkrheuma kann gestoppt werden

Written by  menscore-body, Published in Bewegungsapparat
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Chronisches Gelenkrheuma kann gestoppt werden © psdesign1 - Fotolia.com

Gelenkrheuma zerstört die Gelenke und verursacht dadurch starke Schmerzen und Bewegungseinschrän- kungen. Und wer nun denkt, die Diagnose beträfe nur ältere Menschen, irrt. Denn es leiden besonders viele junge unter der Krankheit. Zum Glück gibt es wirksame Mittel, die die Gelenkzerstörung aufhalten können.

 Von Gelenkrheuma (Rheumatoide Arthritis) Betroffene können morgens die Fingergelenke wegen Schmerz und Steifigkeit kaum bewegen, morgendliche Tätigkeiten bereiten Schmerzen und brauchen länger.

 

Entzündung der Gelenke

Jeder dritte Patient, der seinen Arzt aufsucht, tut es wegen „Rheuma-Beschwerden“. Allerdings werden unter dem volkstümlichen Begriff "Rheuma" mittlerweile etwa 400 Krankheiten gefasst, die zwar die Entzündung als gemeinsamen Nenner haben, sich aber zum Teil sehr unterschiedlich äußern. Übrigens zählen die Gicht, die sich auch durch Gelenkknötchen und -schmerzen äußert, und auch die verschleißbedingte Gelenkzerstörung (Arthrose), nicht zu den rheumatischen Erkrankungen.

„Chronisches Gelenkrheuma (auch Rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis genannt) hat nämlich eigene Ursachen und erfordert deshalb eigene Behandlungsmethoden“, sagt Rheumatologe Dr. Keihan Ahmadi-Simab, Chefarzt des Asklepios Rheumazentrum Hamburg. „Es kann über Jahre hinweg fortschreiten und die verschiedensten Gelenke befallen. Hände und Füße, Kniegelenk und Schultern sind am häufigsten von der Entzündung betroffen“, so der Experte.

Zunächst ist es die Innenhaut des Gelenkes, die sich entzündet. Die Innenhaut hat unter anderem die wichtige Aufgabe, Gelenkschmiere zu bilden, damit die Gelenkflächen sanft aufeinander gleiten können. Ist die Gelenkinnenhaut nun entzündet, kommt es zu einer Zerstörung des Knorpels. Bei jeder Bewegung reiben die entzündeten Gelenkflächen aufeinander, bis sie endgültig zerrieben sind. Die Knorpelzerstörung greift bald auch auf die Knochen über. Die Gelenke verformen sich, eine reibungslose Bewegung im wörtlichen Sinne ist nicht mehr möglich. Im Endstadium können befallene Gelenke überhaupt nicht mehr bewegt werden und versteifen gänzlich.

Die Ursache der Rheumatoiden Arthritis ist heute kein Geheimnis mehr: Immunzellen des Körpers, die eigentlich die Aufgabe haben, den Organismus vor feindlichen Fremdkörpern (z.B. Viren und Bakterien) zu schützen, sind irregleitet. Sie halten körpereigenes Gewebe für fremd, greifen dieses an und zerstören es. Es handelt sich somit um eine Autoimmunkrankheit. Wie bei vielen Krankheiten, gilt auch hier: Je früher die Diagnose gestellt wird, umso mehr Aussicht auf Erfolg hat auch eine Behandlung. Daher ist es umso wichtiger, Alarmzeichen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Früh morgens auftretende Steifigkeit sowie Kraftlosigkeit der Gelenke, spontane Gelenkschmerzen ohne vorherige Belastung, Rötung und Schwellung der Gelenke, manchmal auch allgemeine Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit sind sichere Vorboten einer Rheumatoiden Arthritis. Der nächste Weg sollte in diesem Fall der zum Arzt bzw. Rheumatologen sein.

 

Die Diagnose

Die Diagnose wird mit Hilfe der beschriebenen Beschwerden, einer körperlichen Untersuchung, einer Blutuntersuchung sowie einer Reihe apparativer Methoden gestellt.

Die Blutuntersuchung kann darüber Aufschluss geben, ob eine Entzündung im Körper vorhanden ist und ob Auto-Antikörper (Rheuma-Marker) vorhanden sind. Die Ursache der Entzündung dagegen kann sie nicht aufdecken. Nach der Blutuntersuchung kann das schmerzende Gelenk mit dem Ultraschall untersucht werden. Dabei lassen sich die Gelenkinnenhaut und Sehnen am Ort des Geschehens gut beurteilen.

In seltenen Fällen kann der Arzt zur Differenzierung der Diagnose mit einer dünnen Nadel Flüssigkeit aus dem Gelenkspalt absaugen. An dieser Flüssigkeit kann man häufig schon mit bloßem Auge sehen, ob zum Beispiel Bakterien die Beschwerden verursacht haben. Dann wäre die Flüssigkeit trübe. Ist sie jedoch klar, dann muss sie im Labor auf weitere Hinweise untersucht werden. 


Richtige Behandlung bremst Krankheit aus

Zur Zerstörung der Gelenke muss es aber gar nicht erst kommen. „Bei richtiger und rechtzeitiger Behandlung lässt sich dieser Prozess sehr gut beherrschen. Das Fortschreiten der Erkrankung kann meist weitestgehend vermieden werden“, so der Hamburger Rheumatologe Ahmadi-Simab. Und: „In einigen Fällen kann die Krankheit sogar zum Stoppen kommen“.

 

Mehrgleisig für Schmerzfreiheit und Beweglichkeit

Ist die Diagnose dann endgültig gestellt und lautet auf "Rheumatoide Arthritis", wird unmittelbar eine antientzündliche Therapie eingeleitet, die die Schmerzen lindert und langfristig die Beweglichkeit der Gelenke erhält. Die Therapie ist besonders wirksam, wenn sie zweigleisig erfolgt.

Auf der einen Seite sind da die allgemeinen Maßnahmen wie die Schulung des Patienten, was seine Ernährung betrifft, sowie eine Bewegungstherapie.

„Es gibt zwar keine "Rheumadiät", aber fleischarme, fischreiche Ernährung sowie eine Umstellung auf Vollwertkost haben bei so manchem Rheumapatienten die Beschwerden gelindert“, berichtet Ahmadi-Simab. „Nikotin dagegen muss vermieden werden“, warnt der Experte.

Und Bewegung? „Bewegung ist einer der Grundpfeiler der Rheumatherapie. Es gibt kein Medikament, das die aktive Mitarbeit des Patienten ersetzen könnte. Wird ein Gelenk bewegt, kann der Knorpel Nährstoffe und frische Gelenkschmiere bekommen. Das Gelenk kann dann wieder ohne starke Reibung arbeiten. Physikalische Therapie, Turnen und Schwimmen helfen, die Lebensqualität zu steigern und möglichst lange zu erhalten“, rät der Hamburger Rheumatologe Ahmadi-Simab.

 

Medikamente gegen Rheuma

Auf der anderen Seite ist die zweite Schiene der Rheumatherapie, nämlich die medikamentöse Behandlung. Sie beginnt in der Regel mit so genannten steroidalen Antirheumatika, wie das Kortison. „Dieses Medikament hat eine stark entzündungshemmende Wirkung. Es bremst die Entzündung relativ schnell direkt am Gelenk. Kortison gibt es in Tablettenform, kann vom Arzt aber auch ins Gelenk gespritzt werden“, sagt Dr. Ahmadi-Simab. Aber: Was Wirkung hat, hat meist auch Nebenwirkungen. Deshalb darf das Medikament nur unter Aufsicht des Arztes eingenommen werden. In der Regel müssen die zu Beginn der Behandlung höheren Dosierungen rasch gesenkt werden, um weitere Nebenwirkungen zu vermeiden.

Die eigentliche Therapie stellen die so genannten Basistherapeutika (wirken immunsuppressiv) wie Methotrexat und Biologika (z.B. TNF-Alpha-Blocker) dar. Es sind Medikamente, die in den Entzündungsprozess der Rheumatoiden Arthritis selbst eingreifen. Ist das Gelenk bereits derart geschädigt, dass Medikamente nicht helfen, kann durch eine Operation die entzündete Gelenkinnenhaut entfernt werden.

Übrigens können als letzte Möglichkeit auch künstliche Gelenke eingebaut werden, die heute so ausgereift sind, dass sie länger als zehn Jahre halten. Und in diesen zehn Jahren kann das Gelenk frei und schmerzlos bewegt werden.

 

 
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