Herz & Kreislauf
Geändert am: 27. Juni 2017

Süß, aber gefährlich: Lakritz

Written by  menscore-body, Published in Herz & Kreislauf
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Süß, aber gefährlich: Lakritz © PhotoSG - Fotolia.com

Sie mögen Lakritze? Dann müssen Sie jetzt tapfer sein. Denn eine Tüte Lakritze kann einen Krampf in den Herzkranzgefäßen und in der Folge einen  tödlichen Herzinfarkt auslösen. Ärzte führen dies auf den in der Lakritze enthaltenen Süßstoff Glycyrrhizin zurück.  

 

 

Glycyrrhizin schmeckt 50 Mal süßer als Zucker, macht aber nicht dick. Lakritzprodukte sind deshalb bei gewichtsbewussten Menschen beliebt. Dass der vermehrte Verzehr schädlich sein kann, sei vielen Menschen nicht bekannt, berichtet ein Team um Professor Ulrich Tebbe, Chefarzt am Klinikum Lippe in Detmold. Bekannt sei, dass Lakritze den Blutdruck erhöhen kann. Bei „Stark-Lakritze“, die mehr als 400 mg Glycyrrhizin pro 100 Gramm enthält, müssen die Hersteller sogar einen Warnhinweis auf der Verpackung anbringen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt den Verbrauchern, nicht mehr als 100 mg Glycyrrhizin am Tag zu verzehren. Weniger bekannt ist laut Professor Tebbe, dass Lakritze durch eine Verengung der Herzkranzgefäße eine akute Durchblutungskrise im Herzmuskel auslösen kann. 

 

Dies war bei einer 44-jährigen Frau der Fall, die innerhalb von vier Monaten zweimal einen Herzanfall erlitt. Beide Male war es kurz nach dem Aufwachen zu Luftnot und einem Vernichtungsschmerz im Brustkorb gekommen, typischen Anzeichen eines Herzinfarkts. Die Kardiologen führten beide Male eine Katheteruntersuchung der Herzkranzarterien durch. Beide Male fanden sie keine Hinweise auf eine Verengung oder einen Verschluss der Gefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Bei der zweiten Untersuchung konnten die Forscher jedoch einen Krampf des Blutgefäßes nachweisen. 

 

Die blutdrucksteigernde Wirkung von Lakritze beruht auf der Hemmung eines Enzyms (11-Beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase 2, kurz 11-BHSD2), das im Körper dafür verantwortlich ist, Cortisol zu Cortison abzubauen. Wird es gehemmt, kommt es zu einem Anstieg von Cortisol, das seinerseits das Blutvolumen und damit den Blutdruck ansteigen lässt. Laut Tebbe ist das Enzym 11-BHSD2 auch in der Wand von Blutgefäßen vorhanden, wo es an der Regulierung des Gefäßdurchmessers mitwirkt. In Tierexperimenten konnte gezeigt werden, dass die Hemmung von 11-BHSD2 einen Gefäßkrampf auslösen kann. 

 

Die 44-jährige Frau wurde nach Hause entlassen. Die Ärzte verordneten ihr ein Blutdruckmedikament und rieten ihr dringend, auf den Verzehr von Lakritze zu verzichten. Seitdem ist sie beschwerdefrei.

 

Quelle: PM Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2015 (Veröffentlichung der Fallbeschreibung: Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“)