Kopf, Augen & Ohren
Geändert am: 31. Mai 2017

Zahnschmerzen - So helfen Sie sich selbst

Written by  menscore-body, Published in Kopf, Augen & Ohren
Aus der ärztlichen Redaktion
 

Wann bekommt man für gewöhnlich Zahnschmerzen? Ja richtig, nachts oder am Wochenende, also immer dann, wenn zahnärztliche Hilfe besonders fern ist. Aber auch bei Zahnschmerzen gibt es Möglichkeiten der Selbsthilfe. Unsere Tipps. 

 

 

Und damit Sie bei der nächsten Schmerzattacke nicht nur die Zähne zusammenbeißen können, haben wir hier die häufigsten Ursachen von Zahnschmerzen zusammengestellt. Damit können Sie auf einen Blick sehen, in welchem Übel Ihr Zahnschmerz wurzelt und entsprechend Abhilfe schaffen.

 

1. Kieferhöhlenentzündung

Ursache: Eine Kieferhöhlenentzündung kann wegen der räumlichen Nähe zu den Zähnen Zahnschmerzen vortäuschen. Das Druckgefühl in der Kieferhöhle strahlt dann meist auf die oberen Backenzähne aus, weil diese in ihren Zahnfächern (im Oberkiefer) wie Finger in einen Handschuh ragen. Der Schmerz verschärft sich beim Bücken.

Abhilfe: Dampfbäder mit Kamille (z.B. Kamillentee) können durch Feuchtigkeit und Wärme das Sekret verflüssigen und dessen Entleerung erleichtern. Reicht diese Maßnahme nicht aus, suchen Sie spätestens nach drei Tagen einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf. Es könnten schleimhautabschwellende Nasentropfen und/ oder Antibiotika erforderlich sein.

 

2. Gürtelrose

Ursache: Auch eine durch Viren verursachte, beginnende Gürtelrose im Mund kann als starker bohrender Zahnschmerz fehlgedeutet werden.

Abhilfe: Wenn Ihr Zahnarzt keinen kranken Zahn findet, darf er auch keinen ziehen. Der Schmerz lässt auch nicht nach, wenn man ihr den falschen Zahn zieht. Es ist sinnvoller, Sie warten ab, ob die typischen Bläschen im Mund auftauchen. Wenn ja, sollten Sie Stress vermeiden (Gürtelrose bevorzugt Menschen mit schwachem Immunhaushalt) und sofort einen Neurologen aufsuchen.

 

3. Trigeminus-Neuralgie

Ursache: Wenn Kauen, Rasieren oder bestimmte Kopfbewegungen zur Qual werden, dann spielt der „Drillingsnerv“ verrückt. Abnorm geformte oder durch Kalkablagerungen verengte Adern reizen die Nerven, diese reagieren darauf mit höllischen Schmerzen. Dieser blitzartig einschlagende Nervenschmerz ist allerdings extrem selten.

Abhilfe: Ihr Zahnarzt sollte erst Kiefer-, Zahn- und Zahnfleischprobleme ausschließen, bevor Sie sich einer neurologischen Therapie für Trigeminusneuralgie unterziehen: Antiepileptika, Verödung der schmerzenden Nervenfasern und als letzte Möglichkeit die neurochirurgische Entlastung der Nerven.

 

4. Knirschen

Ursache: „wandernde“ Zahnschmerzen, die - besonders morgens - kommen und gehen, zusätzlich Schmerzen im Kiefer, Kopfschmerzen, Verspannungen der Nacken- und Gesichtsmuskeln deuten auf nächtliches Zähneknirschen aufgrund einer falschen Zahnstellung oder eines Bissfehlers, meist jedoch auf unterdrückte Aggressionen und nicht bewältigten Stress. Nächtliches Knirschen und Pressen der Zähne aufeinander können außerdem zu Zahnfleischentzündung führen, sowie zu Zahnbetterkrankungen mit Lockerung von Zähnen und Zahnfleischrückgang.

Abhilfe: Vermeiden Sie Stress und psychische Belastungen, beißen Sie nicht ständig die „Zähne zusammen“. Entspannungsübungen (z.B. Autogenes Training) und sanfte kreisende Massage der Kaumuskeln können den Druck abbauen. Auch heiße, feuchte Umschläge können den Schmerz akut lindern. Auch Öffnungs- und Dehnungsübungen können helfen, die Beweglichkeit des Kiefergelenks wiederzuerlangen. Es sollte allerdings vorher eine gezielte zahnärztliche Untersuchung durchgeführt werden, um die genauen Schmerzursachen festzustellen. Sind diese ermittelt, kann der Zahnarzt eventuell eine spezielle Kunststoff-Aufbissschiene anfertigen, die Sie nachts tragen, um die Gelenke und Muskeln zu entlasten und die Zähne vor übermäßigem Abrieb zu schützen. Eine krankengymnastische Mitbehandlung kann dabei sinnvoll sein.

 


 

 

5. Zahnfleischentzündung

Ursachen: Schwillt das Zahnfleisch zwischen den Zähnen an, blutet beim Putzen oder Abbeißen und schmerzt leicht, ist die Ursache meist im Zahnbelag zu suchen. Hier halten sich Bakterien auf, die mit ihren schädlichen Stoffwechselprodukten das Zahnfleisch entzünden. Die Ursache für Zahnbelag wiederum liegt in einer mangelhaften bis ungenügenden Zahn- und Mundhygiene. Manchmal hat sich jedoch Zahnstein in einer Zahnfleischtasche gebildet, und jedes Mal beim Putzen reiben Sie nun das Zahnfleisch gegen den Zahnstein. Dieser Reiz führt ebenfalls zu einer Entzündung. Auch starkes Rauchen und Vitamin C - Mangel kommen als Ursache in Frage. Schließlich können sich auch Essensreste zwischen den Zähnen festgesetzt haben.

Abhilfe: Putzen Sie Ihre Zähne mindestens drei Minuten lang in kreisenden Bewegungen auf der Zungenseite, Kaufläche und außen, sowie den Zahnfleischrand. Essen Sie viel Obst (grüner Apfel!) und rohes Gemüse. Damit führen Sie Ihrem Zahnfleisch stärkende Vitamine und eine Gratis-Massage zu, außerdem kratzen die harten Fasern der Früchte hartnäckigen Zahnbelag ab. Lassen Sie eventuellen Zahnstein vom Zahnarzt entfernen und reinigen Sie die Zahnzwischenräume mit Zahnseide, um einer weiteren Steinbildung vorzubeugen und Essensreste zu entfernen.

 

6. Zahnbettentzündung (Parodontitis)

Ursache: Tiefrotes, schwammartiges Zahnfleisch, das sich zurückzieht und leicht blutet, Bildung von teilweise eitrigen Zahntaschen und lockere Zähne sprechen für eine Entzündung des Zahnbetts, einer Folge von nicht behandelter Zahnfleischentzündung. Es tritt schmerzhaftes Ziehen am Zahnbett auf. Der freigelegte Zahnhals reagiert empfindlich auf heiße oder kalte Speisen, Saures und Süßes. Schuld daran sind Zähneknirschen und Zahnfleischentzündung durch mangelhafte Zahnhygiene.

Abhilfe: Gewissenhafte Zahn- und Mundhygiene, Maßnahmen gegen Zahnfleischentzündung und Knirschen sind bei beginnender Parodontitis besonders wichtig. Das wird aber nicht ausreichen. Gehen Sie daher zum Zahnarzt, der alle Zahnbeläge - auch solche in den tiefen Taschen - und Zahnstein entfernt. Vor Abheilung dieses Eingriffs müssen alle Risikofaktoren beseitigt werden, etwa durch Entfernen stark zerstörter Zähne, die nicht mehr gerettet werden können und die Justierung oder Entfernung von fehlsitzenden Kronen oder Prothesen.

 

7. Parodontose

Ursache: Die Rückbildung von Zahnfleisch und Knochen, lockere Zähne, freiliegende Zahnhälse, die empfindlich auf kaltes und heißes Essen reagieren, sind eindeutige Zeichen der Parodontose, einen nicht-entzündlichen Schwund des Zahnhalteapparates als chronische Folge einer Zahnfleischtaschenentzündung. Nicht alle Ursachen sind geklärt; als begünstigende Faktoren gelten mangelnde Zahnpflege, Zahnstein und nächtliches Zähneknirschen.

 

Abhilfe: Die Parodontose können Sie nicht selbst heilen, Sie können aber die Behandlung durch Ihren Zahnarzt unterstützen, indem Sie

  • sich von ihm Ihre Putztechnik überprüfen lassen;
  • drei bis vier Tropfen Teebaumöl in ein Glas warmes Wasser geben und damit mehrmals täglich Ihren Mund damit ausspülen, bei Bedarf auch zusätzlich einige Tropfen pur via Wattebausch auf die schmerzenden, blutenden Entzündungen aufbringen;
  • einige Tropfen 2,5prozentigen Salbeiöls aus der Apotheke in warmem Wasser lösen und nach dem Zähneputzen mindestens zwei Minuten lang den Mund spülen;
  • auf genügend Zufuhr von Vitamin C in Form von Zitrusfrüchten wie Orangen, Mandarinen und Zitronen achten. Es fördert die Kollagenbildung des Zahnfleischs und stärkt seine Abwehrkräfte;
  • aufhören zu rauchen, denn Nikotin verengt die Gefäße, die für krankes Gewebe besonders lebenswichtige Durchblutung wird erheblich gestört.
  • Und gehen Sie endlich zum Zahnarzt! Dazu brauchen Sie auch nicht mehr Mut, als Ihren Mitmenschen den Anblick auf ein lückenhaftes Gebiss anzutun. Modernste Operationstechniken erlauben teilweise eine schonende Rekonstruktion des Zahnfleischverlaufs (allerdings zahlt die Kasse hier nicht, reine Privatleistung).

 

8. Karies

Ursache: Zuerst weiße, später braune oder schwarze Flecken, Schmerzen beim Verzehr von Süßigkeiten und säurehaltigen Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte, Fruchtsäfte oder Cola verursachen ziehende Schmerzen, weil sie durch die geätzten Wege ins Zahnbein dringen und das Zahnmark reizen. Später schmerzt der Zahn dauernd. Zahnbelag (mangelnde Zahnhygiene, viel raffinierte Zucker und ausgemahlene Mehle in der Nahrung) mit darin wohnenden Kariesbakterien sind die Hauptursache für die Zahnfäule. Vorsicht: nur jedes dritte Loch kann man im Spiegel sehen. Die restlichen zwei Drittel verstecken sich zwischen den Zähnen.

Abhilfe: Die richtige Zahnpflege wäre hier die adäquate Maßnahme zur Vorbeugung gewesen. Nun lässt sich der Gang zum Zahnarzt nicht mehr verschieben, und schon gar nicht vermeiden. Die kariöse Stelle muss dauerhaft entfernt werden, damit sich die Karies nicht tiefer frisst und dem Zahn den Nerv tötet. Auch wer schmerzbedingt mit der anderen Seite kaut und den schmerzenden Zahn vom Putzen verschont, tut genau das Falsche. Es gilt: Jetzt erst recht putzen! Zur Schmerzlinderung spülen Sie mit starkem Salbeitee oder träufeln Sie ein paar Tropfen Nelkenöl auf einen Wattebausch und halten Sie diesen auf den schmerzenden Zahn. Oder legen Sie eine Gewürznelke auf die kranke Stelle. Auch Mundspülungen mit Teebaumöl (drei bis fünf Tropfen auf ein Glas Wasser) kann rasch Schmerzfreiheit bringen. Reiben Sie den Akupunkturpunkt am äußeren Nagelbettwinkel des Zeigefingers fest, legen Sie einen feucht-kalten Umschlag an die Wange. Paracetamol lindert ebenfalls die Schmerzen.

 


 

9. Entzündung des Zahnmarks

Ursache: Spontane, scharfe, stechende, bohrende und klopfende Schmerzen, die über die gesamte Wange ausstrahlen, sowie die empfindliche Reaktion der Zähne auf kalte, warme, süße und saure Speisen und Getränke, und manchmal sogar auf Windbewegungen ist ein sicherer Hinweis darauf, dass das Zahnmark (der „Nerv“) entzündet ist. Dies ist der Fall bei einer tiefen Karies, d.h. wenn die Karieshöhle tiefer ins Zahnmark hineinreicht. Wird immer noch nicht behandelt, beginnt im Zahnmark ein Fäulnisprozess; der Zahnnerv stirbt ab, damit hören auch die Schmerzen auf. Das gilt aber nicht für den Kariesfraß, lediglich die Alarmanlage ist ausgeschaltet.

Abhilfe: Für Selbstversuche zur Selbsthilfe ist es nun leider zu spät, der Gang zum Arzt absolut unumgänglich. Jetzt steht Ihnen und Ihrem Zahnarzt das Problem ins Haus, einen bereits entzündeten Zahn zu betäuben, aufzubohren und das kranke Zahnmark zu entfernen, also eine Wurzelbehandlung durchzuführen. Danach muss der Zahn überkront werden. Kurzfristig kann der Akupunkturgriff zum Nagelbettwinkel des Zeigefingers (s. Karies), ein feucht-kalter Umschlag auf die Wange helfen. Einfache Schmerzmittel reichen nun nicht mehr aus, Ihr Zahnarzt wird Ihnen wahrscheinlich stärkere Schmerzmittel geben.

Achtung: wird der Zahn nicht behandelt, wird er zunehmend klopf- bzw. druckempfindlich, der Schmerz klopft im Takt des Pulses und wird immer stärker. Entleert sich der „Entzündungssud“, der sich um die Wurzelspitze herum gebildet hat, durch den Kieferknochen nach außen, dann bildet sich ein Abszess in Wange, Zunge, Gaumen und/oder Kieferhöhle (die dicke Backe!), es kommt gelegentlich zu Fieber, und nur manchmal zu Schmerzen. Der Eiter kann sich auch seinen Weg zu den Brustorganen bahnen, dann droht Lebensgefahr.

Gehen Sie sofort zum Zahnarzt! Der, der Ihnen jetzt nicht hilft, der macht sich strafbar wegen unterlassener Hilfeleistung. Mindestens eine Wurzelbehandlung, wahrscheinlich aber eine Wurzelresektion - möglicherweise mit Eröffnung des reifen Abszesses - kommt auf Sie zu. Im besonders späten Stadium muss der Zahn manchmal gezogen werden, der bei jungen Menschen jedoch wieder replantiert werden kann. Zur Schmerzlinderung können Sie feuchtkalte Umschläge oder Eisbeutel einsetzen. Warmfeuchte Packungen dagegen lassen die Abszesse rascher reifen.

 

10. Flug- und Auftauchschmerz bei Karies

Ursache: Starker Druckabfall (im Flugzeug oder beim Hochschwimmen nach dem Tauchen) kann leichte Zahnschmerzen plötzlich verschlimmern. Denn in diesen Situationen dehnen sich die Fäulnisgase bei Karies aus und drücken auf Nerven.

Abhilfe: Suchen Sie vor Flugreisen und Tauchabenteuern Ihren Zahnarzt auf, um Ihre Zähne kontrollieren zu lassen. Ansonsten putzen Sie die Zähne gründlich und reinigen Sie die Zahnzwischenräume mit Zahnseide, um eventuelle Speisereste zu entfernen, die die Karieshöhle verschließen und damit die Entleerung des Sekrets verhindern. Kalte Umschläge auf die Wange können auch hier Wunder wirken. Langfristig hilft natürlich nur die Sanierung des Zahns: Ausbohren und mit Füllung versehen.

 

11. Speicheldrüsenentzündung (Parotitis)

Ursache: Haben Sie immer dann Schmerzen, wenn Ihnen das sprichwörtliche Wasser im Mund zusammenläuft? Das ist ein guter Hinweis auf eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse. Speichelsteine, gestörter Speichelfluss, Mundschleimhautentzündungen und Tumore begünstigen das Einnisten von Bakterien im Drüsengang. Dadurch schwillt die Drüse schmerzhaft an (wie bei Mumps, „Ziegenpeter“) und gibt oft Anlass, die Ursache der Schmerzen in den Zähnen zu suchen. Das liegt daran, dass der Nerv für die mimische Muskulatur (Nervus fazialis), der auch die Zähne versorgt, mitten durch die Ohrspeicheldrüse verläuft.

Abhilfe: Essen Sie keine Zitrone und kauen Sie kein Kaugummi; denn das fördert den Speichelfluss, der die Drüse anschwellen lässt, der Druck auf den Nerv nimmt weiter zu. Die richtige Therapie besteht in der Einnahme von Antibiotika, der Entfernung von Speichelstein (ein kleiner Schnitt in der Wangeninnenseite), und manchmal in der Operation der Drüse. Und das kann nun wirklich nur der Hals-Nasen-Ohren-Arzt bewerkstelligen.

 

12. Weisheitszähne

Ursache: Über längere Zeit Schmerzen am Ende der Zahnreihen sind ein Hinweis auf Weisheitszähne, die gerade den Kieferknochen durchbrechen. Es kann sich nun eine Tasche bilden, in der Speisereste hängen bleiben. Die Folge sind dann häufig Zahnfleischentzündung und -blutung, Karies, Kopfschmerzen und Mundgeruch. Die Weisheitszähne haben bei den meisten Menschen keinen Platz im Kiefer und liegen daher häufig gekippt oder verkeilt am Ende der Zahnreihe und schieben die anderen Zähne übereinander.

Abhilfe: Besonders in dieser Zeit ist eine intensive Zahnhygiene wichtig. Gegen akute Schmerzen in diesen Fällen können Sie Schmerzmittel wie z.B. Paracetamol einnehmen. In den meisten Fällen ist es besser, die Weisheitszähne ziehen zu lassen, zumal sie für das Kauen nicht mehr notwendig sind. Treten Probleme auf, bevor sie durchgebrochen sind, sollten sie herausoperiert werden. Dabei ist es besser, den Arzt frühzeitig aufzusuchen, d.h. bevor es Probleme gibt, den Mund weit aufzumachen. Denn das ist ein Zeichen für Entzündung, und mit zunehmender Entzündung wird die Betäubung schwieriger.