Wir verwenden Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite menscore.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen in unserer Datenschutzerklärung. Hier klicken um sich von Google Anlaytics abzumelden.
Kopf, Augen & Ohren
Geändert am: 21. September 2017

Schrittmacher gegen Cluster-Kopfschmerzen

Written by  menscore-body, Published in Kopf, Augen & Ohren
Aus der ärztlichen Redaktion
 
Schrittmacher gegen Cluster-Kopfschmerzen © Nastassia Yakushevic - Fotolia.com

Herkömmliche Therapien sind aufwändig und nicht zuverlässig in der Wirkung, wenn es um die schwerste Form von Kopfschmerzen geht, die es gibt: dem Cluster Kopfschmerz. Eine neue Therapie verspricht Hoffnung. Ein Nervenschrittmacher soll der Durchbruch in der Behandlung sein. 

Cluster-Kopfschmerzen – ein Männerproblem

Von den heftigen Kopfschmerzen, die ohne erkennbaren Auslöser plötzlich auftreten, sind dreimal so viele Männer wie Frauen betroffen. Die Attacken stellten bislang ein Rätsel dar. Beim Auftreten lässt sich ein gewisser Rhythmus erkennen, der im Zusammenhang mit der Tageszeit steht. Oft tritt der Schmerz im Schlaf auf, eine Attacke kann dabei zwischen 15 und 180 Minuten andauern. Er sitzt auf einer Seite des Kopfes hinter dem Auge oder um das Auge, von wo aus er ausstrahlt. Dabei bleibt er stets auf dieser Seite. Phasen, in denen die Attacken gehäuft auftreten (daher der Name – englisch „cluster“) wechseln mit beschwerdefreien Phasen ab.

Migräne-Mittel erzielen nicht immer die gewünschte Wirkung

Bislang wurden die Cluster-Attacken mit Triptanen behandelt. Sie wurden zur Schmerztherapie von Migräne entwickelt und können entweder unter die Haut gespritzt oder wie ein Nasenspray angewendet werden. So wird eine schnelle Wirkung erzielt. Eine weitere, aufwändigere Möglichkeit ist das Inhalieren von reinem Sauerstoff mit einer Gesichtsmaske. Allerdings sind diese Behandlungsmethoden nicht nur umständlich, sondern zeigen auch nicht bei jedem Patienten die gleiche Wirkung.

Den Trigeminus-Nerv betäuben: So wirkt die neue Therapie

Mit der Erkenntnis, dass ein Gesichtsnerv an der Entstehung der Schmerzen beteiligt ist, konnte eine Therapie entwickelt werden, die zuverlässige Linderung verspricht. Der Trigeminus-Nerv hat einen Nervenknoten, das Ganglion Sphenopalatinum, im Folgenden SPG abgekürzt. Das SPG dient als eine Umschaltstation und sitzt unter der Schädelbasis in einer Knochengrube hinter dem Oberkieferknochen. Professor Thomas Klenzner, der stellvertretende Direktor der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf, erklärt, dass schon länger bekannt ist, dass die Betäubung des SPG den Cluster-Kopfschmerz abschwächt. Dies hat man mit einer Injektion von Kokain oder Alkohol erreicht, was aufgrund des hohen Risikos nur selten praktiziert wurde.

Der Nervenschrittmacher

Ein kleines Implantat, nur fingernagelgroß, wird durch die Mundhöhle durch nahe dem SPG platziert. Dieses Implantat ist mit einem Impulsgeber aus Elektrodraht versehen. Die schwachen elektrischen Impulse können mit einer Art Fernbedienung, die an die Wange gehalten wird, aktiviert werden. Über mehrere Kontakte stimulieren sie den SPG und schwächen so den Schmerz ab.

Pathway CH-1-Studie zeigt vielversprechende Erfolge

Nach dieser Studie hat der Nervenschrittmacher bei rund zwei Dritteln den Schmerz vermindert oder gar beseitigt. Und nicht nur das: Die Attacken wurden verkürzt und die Anzahl reduziert. Der Erfolg ist nachhaltig, wie Langzeitstudien belegen konnten. Professor Klenzner gibt an, dass allein in Düsseldorf bislang rund zehn Patienten operiert wurden, weltweit sind es 400. Die Operation selbst ist sehr anspruchsvoll und wird von einem Expertenteam aus HNO-Ärzten und Neurochirurgen durchgeführt. Trotzdem ist Professor Klenzner sicher, dass sich die SPG-Stimulation als Therapie durchsetzen wird, da die Erfolge für sich sprächen.