Mund & Zähne
Geändert am: 31. Mai 2017

10 Tipps gegen Zahnarzt-Pfusch

Written by  menscore-body, Published in Mund & Zähne
Aus der ärztlichen Redaktion
 
10 Tipps gegen Zahnarzt-Pfusch © Štěpán Kápl - Fotolia.com

In Zahnarztpraxen kommt es immer wieder zu Behandlungsfehlern, die unnötig Geld, Nerven und vor allem Zähne kosten. Das schützt Sie vor Ärztepfusch.

 

 

 

 

 

 

Behandlungsfehler beim Zahnarzt

Ein Zahnarztbesuch ist an sich schon kein Zuckerschlecken: im Vorwege die Angst vorm Bohren, währenddessen die Schmerzen, hinterher die Kosten. Stellt sich dann noch heraus, dass das Ganze sinnlos war, sollten Sie den Spieß umdrehen und mal bei Ihrem Zahnarzt nachbohren.

Rein theoretisch müssen Zahnärzte nach dem neuesten Stand der Medizin jeweils das tun, was sinnvoll und erforderlich ist. Aber nicht immer erfüllen sie die Vorgabe. Bei der telefonischen Patientenberatungsstelle der Landeszahnärztekammer Hessen gehen beispielsweise pro Jahr zirka 12 000 Anfragen ein. "Sie betreffen unter anderem Behandlungs- und Abrechnungsverfahren, viele melden sich aber auch, weil sie einen Behandlungsfehler vermuten", berichtet Dr. Michael Frank aus Lampertheim, Präsident der Kammer.

Allein im vergangenen Jahr wurden dort 244 Gutachten erstellt und zwölf Schlichtungsverhandlungen zwischen Zahnarzt und Patient geführt. Gesamtzahlen zu Behandlungsfehlern gibt es nicht, da es keine zentrale Stelle gibt, die alle Fälle auswertet. Und viele Patienten unternehmen wegen des Aufwandes nichts. Die Dunkelziffer dürfte also hoch sein.

Ob ein Patient seine Ansprüche bei einer Schlichtungsverhandlung oder vor Gericht durchsetzen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob ein Behandlungsfehler nachzuweisen ist. "Er liegt dann vor, wenn ein Arzt gegen den geltenden medizinischen Standard verstößt", erklärt der Kölner Patientenanwalt Christian Lattorf. Das betrifft die Diagnose ebenso wie Aufklärung, Behandlung und Nachsorge.

Der Patient selbst kann dazu beitragen, das Pfusch-Risiko zu senken. "Patienten sollten fragen, was ihr Zahnarzt vorhat, aus welchem Grund, welche Alternativen es gibt und was deren jeweilige Vor- und Nachteile sind", sagt Cornelia Wagner von der unabhängigen zahnärztlichen Patientenberatungsstelle in Heidelberg.

"Besonders wichtig ist es, sich nach den Kosten zu erkundigen." Ein Kostenvoranschlag hilft, böse Überraschungen zu vermeiden. Vorsicht! Oft werden nur die Kosten für ein Implantat oder die Wurzelbehandlung besprochen, nicht aber die Folgekosten, zum Beispiel für Kronen oder Brücken. Also, fragen Sie, bis der Arzt kommt! Menscore-body erklärt, welche Probleme während und nach der Behandlung bei einem Zahnarzt häufiger auftreten und wie Sie sich davor schützen.

 

Die Zahnbehandlung schmerzt trotz einer Betäubungsspritze

Wichtig ist, zwischen Schmerz und anderen Empfindungen klar zu unterscheiden. "Tatsächlich kann die Betäubungsspritze nur das Schmerzempfinden beeinflussen, nicht aber andere unangenehme Erscheinungen, etwa Druck, Geräusche und Vibrationen", erklärt Dr. Thomas Clement, Vorstandsmitglied der Zahnärztekammer Hamburg.

Wenn Sie sich den Schmerz aber nicht einbilden, ist Ihrem Arzt höchstwahrscheinlich die notwendige Injektion nicht gelungen, denn besonders im Unterkiefer verlaufen die Blutgefäße und Nervenbahnen bei jedem Menschen anders. Die andere Möglichkeit: Der Zahnarzt hat das Anästhetikum in ein entzündetes Gebiet gespritzt, wo es seine Wirkung nicht entfalten kann. In beiden Fällen hilft nur Nachspritzen.

"Reagiert der Arzt auf die Schmerzzeichen, indem er nachbetäubt, liegt kein Pfusch vor", erklärt Rechtsanwalt Lattorf. Anders liegt der Fall, wenn ein Zahnarzt mit geringem Einfühlungsvermögen zu Ihnen sagt, Sie sollen sich nicht so anstellen. Lattorf urteilt: "Dann liegt ein klarer Fall von Körperverletzung vor, der ein Schmerzensgeld begründen kann."

 


 

 

 

 

 

Nach dem Bohren schmerzt der Kontakt mit Heißem und Kaltem

In diesem Fall hat wohl ein gesunder Zahn Bekanntschaft mit dem Bohrer gemacht. Es kommt oft vor, dass auch ein gesunder Zahn beschliffen werden muss – etwa, weil er für eine Brücke als Pfeiler dient. "Kann der Arzt aber keinen plausiblen Grund nennen, kommt Schmerzensgeld in Betracht", erklärt Anwalt Lattorf. Anders liegt jedoch der Fall, wenn die Ränder der neu angepassten Krone nicht den gesamten beschliffenen Bereich des Zahnes überdecken. So etwas ist sogar grob fehlerhaft.

 

Ihnen wird ein Zahn gezogen, aber Sie wissen nicht, warum

Sie gehen mit Zahnschmerzen zum Arzt und kommen ohne Schmerzen – allerdings auch ohne den Zahn – wieder heraus. Diese Art der Befreiung kann durchaus ein Fall von Pfusch sein. Denn Schmerzen allein rechtfertigen es nicht, einen Zahn zu ziehen – noch nicht mal starke Karies oder gar ein toter Zahn legitimieren das. "Es gilt der Grundsatz, dass eine Zahnextraktion als allerletzte Behandlungsmaßnahme angezeigt ist", sagt Clement.

Erst wenn erhaltende Maßnahmen, beispielsweise eine Wurzelkanalbehandlung mit anschließender Überkronung, erfolglos waren oder aber nicht in Frage kommen, darf dem Patienten nach dessen Aufklärung und mit seiner Zustimmung der Zahn gezogen werden. Gerichte sehen es als Behandlungsfehler, wenn ein Arzt zur Zange greift, obwohl der Zahn hätte erhalten werden können, und sprechen Betroffenen Schadensersatz (etwa für ein Implantat) und Schmerzensgeld zu.

 

Eine Krone bereitet ihnen beim Essen und Trinken Zahnschmerzen

Eine Krone soll den Zahn vor weiterer Karies schützen. Aber genau das gelingt manchmal nicht. "Schließen die Ränder nicht lückenlos mit einem angrenzenden Zahn ab, liegt ein Behandlungsfehler vor. Es darf dort kein Spalt bleiben, weil sonst Bakterien eindringen und den Zahn noch weiter zerstören", sagt Zahnarzt Dr. Dietmar Oesterreich aus Stavenhagen, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

Für einen fugenlosen Übergang ist beim Einsetzen ein hoher Aufpressdruck erforderlich. Wichtig für einen guten Abschluss sind auch die sorgfältige Gestaltung des Präparationsrandes und die richtige Abdrucktechnik. Es können allerdings auch Fertigungsfehler im Labor schuld an diesem Problem sein.

 


 

 

 

 

 

Beim Zähnebleichen (Bleaching) leiden Sie unnötigerweise Qualen

Sie zahlen viel Geld für ein strahlend weißes Gebiss, erleiden aber Schmerzen wie Stromschläge in den Zähnen. Was ist passiert? Die Bleaching-Lösung enthält den ätzenden Wirkstoff Carbamidperoxid, und der ist nun durch Defekte im Schmelz – etwa Karies, undichte Füllungen, schmelzfreie Areale – in den Zahn eingedrungen und hat die Nerven erreicht.

Nur wenn der Zahnarzt Sie über diese Nebenwirkung aufgeklärt und Ihre Zähne zuvor gründlich auf Schmelzdefekte untersucht hat, ist er aus dem Schneider. Bleaching ist keine notwendige Heilbehandlung, aus dem Grund muss – wie bei jedem anderen kosmetischen Eingriff auch – besonders gründlich über jedes bekannte Risiko aufgeklärt werden.

 

Eine Füllung aus Kunststoff im Backenzahn tut beim Kauen weh

Man hat Ihnen gesagt, dass Zahnfüllungen aus Kunststoff (Komposites) preiswert und Zahnfarben sind und 15 Jahre oder noch länger halten können. Ihre Füllung hält aber gerade einmal 15 Monate. Denn Sie haben eine große Füllung, und die auch noch im Backenzahn.

Komposite-Füllungen dürfen nicht groß sein, denn Kunststoff benötigt ausreichend Zahnhartsubstanz, um dem Füllungsmaterial Halt zu geben. Erschwerend kommt hinzu, dass auf den Kauflächen Ihrer Backenzähne hoher Kaudruck lastet. Lassen Sie Ihre Füllungen schnell daraufhin überprüfen, sonst folgt die nächste Karies, droht eine Krone oder gar Zahnverlust, der dann ein Implantat erfordert.

"Um Probleme zu vermeiden, sollten Sie von vornherein auf eine Kunststofffüllung in der so genannten Mehrschichttechnik bestehen", empfiehlt Experte Oesterreich. Dabei werden die Innenwände des Loches im Zahn zunächst chemisch aufgeraut, anschließend mit einem Spezialkleber bestrichen, der die Füllung im Zahn fixiert. Dann wird das Komposite in dünnen Schichten aufgetragen und jede einzelne Schicht unter Licht gehärtet.

 

Nach einer Wurzelbehandlung spüren Sie einen Druck im Kiefer

Eine Wurzelbehandlung ist kompliziert und birgt diverse Fehlermöglichkeiten. Entweder hat der Zahnarzt das Füllmaterial derart fest in den ausgehöhlten Zahn gestopft, dass es bis in die Kieferhöhle gelangt ist. Oder er hat die Wurzeln nicht vollständig damit gefüllt. In beiden Fällen liegt ein Kunstfehler vor.

Bricht dem Arzt hingegen ein Instrument im Zahn ab und bleibt es da stecken, wird dies von Gerichten nicht als Pfusch gewertet, weil das auch bei sorgfältiger Arbeit vorkommen kann. Auch wenn deshalb eine Entzündung entsteht: Es ist schlicht und einfach Pech – solange der Arzt seine Instrumente sorgfältig überprüft, ein Röntgenbild anfertigt und den Patienten über die Behandlung aufklärt. "Nur wenn der Arzt keine Röntgenkontrolle durchführt, obwohl der Patient über wochenlange Schmerzen klagt, begeht er einen groben Behandlungsfehler", sagt Rechtsanwalt Lattorf.


 

 

 

 

Der Zahnarzt zieht einen Weisheitszahn, obwohl der keine Probleme macht

Bei einem Routine-Check stellt Ihr Zahnarzt fest, dass Sie noch Weisheitszähne haben. Er röntgt und erkennt, dass einer oder mehrere verlagert, im Kiefer nicht optimal positioniert sind. Er legt Ihnen nahe, sie ziehen zu lassen, weil diese sonst Ihre Frontzähne zusammenschieben würden, und Sie stimmen dem zu.

Sofern der Patient bis dahin keinerlei Beschwerden hatte und der Zahnarzt die Weisheitszähne vorschnell und fälschlicherweise als nicht erhaltungswürdig einschätzt, stellt dies einen gravierenden Behandlungsfehler dar, urteilen Gerichte. "Es gibt keine klaren wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, ob verlagerte Weisheitszähne zwangsläufig Verschiebungen anderer Zähne nach sich ziehen", gibt Zahnarzt Oesterreich zu bedenken.

Selbst wenn ein Weisheitszahn Beschwerden macht, muss das nicht sein Todesurteil sein. In dem Fall muss nämlich abgewogen werden, ob die Belastungen durch einen operativen Eingriff, mögliche Schäden und Komplikationen größer wären als die negativen Folgen, wenn man ihn im Kiefer belässt.

 

Ober- und Unterkiefer passen nicht mehr richtig aufeinander

Üble Geschichte! Jede Behandlung, die dazu führt, dass ein Zahn höher oder niedriger ist als die Bissebene (etwa Kronen oder Brücken, aber auch Füllungen), kann eine Störung der so genannten Okklusion nach sich ziehen – wenn der Biss nicht richtig abschließt, kann das gesamte Zusammenspiel von Schädel-, Kiefer- und Halsmuskulatur gestört werden. Zähneknirschen, Schmerzen im Gesicht und Fehlstellung von Zähnen und Kiefer können dann die Folgen sein. "Wenn ein Beschleifen oder Aufbauen des betreffenden Zahnes oder der Krone nicht weiterhilft, muss die Behandlung wiederholt werden", sagt Oesterreich.

Zwar hat der Zahnarzt in begrenztem Umfang ein Nachbesserungsrecht; ist jedoch der hergestellte Zahnersatz mangelhaft, müssen Sie sich auf eine Nachbesserung nicht einlassen, weil das Vertrauen nicht mehr gegeben ist, so die gängige Meinung vieler Richter. "Es steht allerdings nicht so genau fest, nach wie vielen erfolglosen Behandlungsanläufen das Vertrauen zerstört ist. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich", sagt Rechtsanwalt Lattorf. "In einem derartigen Fall sollten Sie sich also nicht vorschnell auf einen Rechtsstreit einlassen, sondern die Zähne zusammenbeißen und es noch einmal mit Ihrem Zahnarzt versuchen."

Verlassen Sie sich ruhig auf Ihr Bauchgefühl: 90 Prozent aller Patienten bleiben dauerhaft bei ein und demselben Zahnarzt. Das deutet darauf hin, dass die meisten Zahnärzte gute Arbeit leisten. Ihrer gehört nicht dazu? Dann sollten Sie nicht zögern, dem Pfuscher auf den Zahn zu fühlen und den Arzt zu wechseln.